13.10.2008 - Antrag - Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender im Alter

SPD-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Landeshauptstadt Hannover


In den
- Gleichstellungsausschuss
- Sozialausschuss
- Verwaltungsausschuss

13.10.2008

Antrag
gem. § 34 der Geschäftsordnung des Rates der Landeshauptstadt Hannover

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender im Alter

Antrag zu beschließen,

Die Verwaltung wird beauftragt, in Kontakt zu treten mit den hannoverschen Alten- und Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten, Trägern von Wohnprojekten und der Gruppe 40plus. Dabei soll gemeinsam ein Konzept zum Thema Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender im Alter erarbeitet werden. Ziel ist ein verbessertes Verständnis auf allen beteiligten Seiten (ältere Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen selbst, MitbewohnerInnen, MitarbeiterInnnen und Angehörige).

Folgende Maßnahmen sollten diskutiert werden:

- Unterrichtseinheiten zu dem Thema bei der Ausbildung, bei Schulungen und Fortbildungen
- Aufnahme des Themas in der Biographiearbeit und im Stammblatt (z.B. indem beim Familienstand, neben „verheiratet“, „ledig“ etc. „Lebenspartnerschaft“ eingefügt wird).
- Öffentliches Bekenntnis zum Thema (z.B. im Leitbild, auf Homepages oder in Infomaterialien).

Begründung:
Unsere Gesellschaft ist aus vielen Individuen mit unterschiedlichen Lebenswegen- und planungen zusammengesetzt. Dies gilt sowohl für Alten- und Pflegeheime und Wohnprojekte, in denen sowohl heterosexuelle und homosexuelle Bewohnerinnen und Bewohner leben, als auch für Kundinnen und Kunden der ambulanten Pflegedienste. Eine anders gelebte sexuelle Identität darf auch im Alter kein Tabu Thema sein. Im Gegenteil, häufig sind ältere Menschen nicht geoutet, lebten versteckt oder haben bereits schlechte Erfahrungen hinter sich. Die Zeit der Verfolgung während des Nationalsozialismus und danach haben teilweise traumatische Erlebnisse mit sich gebracht. Bis 1994 waren sexuelle Handlungen zwischen Männern durch § 175 Strafgesetzbuch verboten. Gefängnisstrafen, Zwangstherapien und Diskriminierungen gehören zu den negativen Erfahrungen. Das muss bei der Pflege berücksichtigt werden. Es geht auch um einen respektvollen Umgang der Bewohner und Bewohnerinnen miteinander, bei dem das Thema Sexuelle Orientierung (auch die offen gelebte sexuelle Orientierung) nicht zu Ausgrenzung führt.

Aus Angst vor Diskriminierungen in einer auf Heterosexuelle ausgerichteten Einrichtung vermeiden es viele alte Menschen ihre andere Sexualität offen zu leben. Ob sie in eine Einrichtung kommen, in der sie nach ihren Bedürfnissen leben können, hängt immer noch vom Zufall ab. Diese Situation ist besonders für Menschen in Pflegeeinrichtungen, die in ihrer Lebenssituation von anderen Menschen abhängig sind, eine enorme Belastung.

Christine Kastning Lothar Schlieckau
Fraktionsvorsitzende Fraktionsvorsitzender
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